Sagenwanderung Wandlitz

Sagenwanderung Wandlitz

Sagenwanderung Wandlitz

Sehen & Erleben | Wandern

(1) Einst hat am Wandlitzer See ein Kloster gestanden. Einer der Mönche wollte gerne ein Fischgericht mit Maränen essen. Da Maränen aber in diesen Zeiten knapp waren, setzte sich der Mönch mit dem Teufel in Verbindung: Er versprach ihm seine Seele, wenn er ihm die gewünschten Fische bis Mitternacht bringen würde. Dann aber bekam der Mönch Gewissenbisse – und er stellte die Uhr im Klosterturm einige Minuten vor. Als nun der Teufel mit den Maränen in der Hand zum Kloster flog, hörte er schon aus der Ferne die Kirchenglocken zur Mitternacht läuten und wusste, daß er die Seele des Mönches nicht bekommen würde. Vor Wut schleuderte er die Maränen in den See, wo sie bis heute leben…

(2) Vor vielen, vielen Jahren kämpften Jurate, die Göttin der Ostsee, und Ran, die Göttin der Nordsee, miteinander um die Wasserquellen auf der Erde, aus denen sie das Wasser für ihre Meere bekommen wollten. Doch die Menschen waren immer unachtsamer mit der Erde umgegangen und es versiegte eine Qualle nach der anderen. So blieb den beiden Göttinnen nicht weiter übrig, als Hades, den Gott der Unterwelt, um Hilfe zu bitten. Und Hades half ihnen: Genau in der Mitte zwischen der Nordsee und der Ostsee, direkt neben dem kleinen Dörfchen Wandlitz, ließ er eine Quelle aus seinen fünf Flüssen der Unterwelt hervorsprudeln. Dann hievte er noch einen großen Stein an die Erdoberfläche, und ließ darüber sein Wasser fließen, das sich genau in der Mitte des großen Steines in eine Quelle für die Nordsee und eine Quelle für die Ostsee aufteilt.

(3) Als noch die Tiere über unsere Wälder herrschten, kamen drei Familien aus fernen Welten in den Barnim, um sich hier anzusiedeln. Ein reiches Paar brachte viel Gold, edle Gewürze und schöne Stoffe mit hierher und baute sich am ersten See ein Schloss. Das zweite Paar brachte viel Silber mit und konnte sich ein ansehnliches Gutshaus am zweiten See bauen. Ein drittes Paar brachte Kupfermünzen mit und baute sich ein einfaches Bauernhaus am dritten See. Alle drei Paare hatten eine Tochter. Die drei Mädchen waren gleichalt und verliebten sich alle in drei junge Mönche, die in dem nahen Kloster am Wandlitzer See lebten. Diese Liebe erzürnte die Götter und sie ließen einen gewaltigen Sturm losbrechen. Bei diesem Sturm stürzten die drei Kirchtürme des Klosters ein – ihre Glocken fielen dabei auf die Erde, rollten über unsere weiten Felden und fielen schließlich in drei kleine Seen, die die Menschen die Drei Pfühle nannten. Und weil nun die drei Glocken des Wandlitzer Klosters in den drei Pfühlen liegen, nennt man sie heutzutage die „Heiligen Drei Pfühle“.

(4) In einer Zeit, in der die Menschen noch gemeinsam mit den Riesen auf der Erde lebten, wohnte in dem Dorf Prenden ein ruhiger, friedlicher Riese. Er tat niemandem etwas und die kleinen Menschen lebten in guter Nachbarschaft mit ihm zusammen. Nur eines konnte der Riese nicht leiden – das Geläut der Kirchturmglocken aus der Dorfkirche. An einem Sonntagmorgen wollte der Riese ausschlafen, doch die Kirchenglocken läuteten unaufhörlich. Da griff der Riese nach einem gewaltigen Stein und schleuderte ihn gegen den Kirchturm. Aber der Stein verfehlte den Kirchturm und fiel laut krachend in den Wandlitzer See. Und weil der Stein so schwer und gewaltig groß war, spritzten drei ebenso gewaltige Tropfen aus dem See wieder heraus und fielen auf ein Feld gleich nebenan. Dort liegen die riesigen Tropfen bis heute – und wir Wandlitzer nennen sie „Die Heiligen Drei Pfühle“.

Grafik: Utz Gennermann | Texte: Johann L. Juttins | © Tourismusverein Naturpark Barnim (033 397) 67 277

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