Waldsiedlung Wandlitz: Willkommen im einst bestgesicherten Ort der DDR

Waldsiedlung Wandlitz: Willkommen im einst bestgesicherten Ort der DDR

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Heute kann jeder durch das gusseiserne Haupttor in die Waldsiedlung Wandlitz spazieren – mehr als 30 Jahre lang war dies undenkbar. Denn zu damaligen Zeiten wohnten hier in der 1,5 Quadratkilometer großen Bernauer Ortschaft vor den nördlichen Toren Berlins die mächtigsten Personen der DDR, so z. B. Erich Honecker und Margot, Egon Krenz oder Walter Ulbricht. Doch nach luxuriösen Villen und anderer Dekadenz hält man in der Siedlung vergebens Ausschau. Spannend ist eine Spurensuche in dem naturnahen Gelände dennoch.

Abgeschottet und bewacht – das Leben in der Waldsiedlung Wandlitz zu DDR-Zeiten

Ab 1958 wurde mitten in ein Waldstück in der Nähe von Wandlitz eine Siedlung mit höchsten Sicherheitsvorkehrungen gebaut. Nur wer einen Sonderausweis hatte, durfte das Gelände durch eines der vier Tore betreten, die mit Wachposten und Videoüberwachung ausgestattet waren. Für SED-Mitglieder, die ins Politbüro des Zentralkomitees berufen wurden, gehörte der Umzug in eines der möbliert vermieteten Häuser der Waldsiedlung Wandlitz einfach dazu.

Ein Maschendrahtzaun mit Hinweisschildern, die das Areal zur Tarnung als Wildforschungsgebiet auswiesen, schirmte die Siedlung weitläufig ab. Im äußeren Ring fanden sich unter anderem eine Klinik, eine Gärtnerei, Sozialgebäude und Wohnhäuser für die rund 650 Bediensteten, die sich 24 Stunden am Tag um das Wohl der Familien der SED-Chefs kümmerten. Der innere Ring, in der die Funktionärshäuser sowie das Klubhaus lagen, wurde zusätzlich durch eine zwei Meter hohe und nachts beleuchtete Beton-Sicherungsmauer geschützt, von der heute nur noch Fragmente zu finden sind. Etwa 200 Soldaten und Offiziere sorgten in 33 Postenbereichen für zusätzliche Sicherheit.

Mehr Schein als Sein – die ernüchternde Realität in der geheimnisumwitterten Waldsiedlung

Durch die Sicherheitsvorkehrungen drangen nur wenige Informationen über das Leben in der Siedlung nach draußen. So bildeten sich im Volk Ideen von märchenhaften Villen mit goldenen Wasserhähnen. Der vermeintlich luxuriöse Lebensstil sowie die räumliche Abschottung trugen zur Entfremdung zwischen der Regierung und den Bürgern bei. Die SED-Funktionäre und ihre Familien hatten fast alles, wovon der normale DDRler nur träumen konnte: ein vielfältiges Angebot an frischem Obst und Gemüse im Ladenkombinat, Westwaren per Katalogbestellung, ein privates Klubhaus mit Konzertsaal, Schwimmbad, Sauna, Kino und Restaurant. Im Vergleich zum Westen war der Lebensstil in der vom Volk als „Bonzenhausen“ und „SED-Ghetto“ betitelten Waldsiedlung Wandlitz dennoch ernüchternd. Statt Prunk herrschte kleinbürgerliche Spießigkeit. Die zweistöckigen, grauen Wohnhäuser von Erich Honecker sowie den anderen Funktionären boten zwar viel Platz, waren ansonsten jedoch einfach und schmucklos gebaut. Auch die zwischenmenschliche Atmosphäre innerhalb der Siedlung war unterkühlt: Man hatte kaum Kontakt zu den Nachbarn und besuchte sich nur in Ausnahmefällen.

Zwischen Erhalt und Umbau: Wie hat sich die Waldsiedlung nach der Wende entwickelt?

Nachdem alle SED-Funktionäre bis Ende Januar 1990 ausziehen mussten, wurde das Gelände umgestaltet und für jedermann zugänglich. Entlang der heutigen Hauptachsen Brandenburgallee und Kurallee entstanden Unternehmen, Betreuungseinrichtungen sowie die Brandenburgklinik Berlin-Brandenburg, welche den Großteil des Areals einnimmt. Die bestehenden Wohnhäuser wurden saniert, vermietet und durch neue Gebäude ergänzt.

Von den 23 Funktionärshäusern befindet sich heute nur noch das ehemalige Domizil von Walter Ulbricht in einem nahezu unveränderten Zustand. In den nach wie vor möblierten Wohnräumen und der privaten Bibliothek scheint die Zeit still zu stehen. Erst 2017 wurde das Areal des inneren Rings, das von Interessierten besichtigt werden kann, unter Denkmalschutz gestellt – besser spät als nie. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch schon viele Relikte durch Plünderungen und Sanierung unwiederbringlich entfernt worden.

Wer sich heute mit der Geschichte und den Machtstrukturen der DDR auseinandersetzen möchte, kann mithilfe des informativen Leitsystems auf den verbliebenen Spuren durch die Waldsiedlung Wandlitz wandern. Aufsteller mit QR-Codes führen entlang der originalgetreuen Gartenensembles aus hübsch angelegten Grünflächen zu den wichtigsten Plätzen auf dem Gelände. So lässt sich hervorragend ein Ausflug ins Grüne mit einer kleinen Geschichtsstunde verknüpfen. Noch mehr Insider-Wissen und kleine Anekdoten gibt es auf den geführten Touren durch die Waldsiedlung, die bei dem zertifizierten Natur- und Landschaftsführer Wolf-Dieter Setz oder dem Oberförster Klaus und Dackel Waldi gebucht werden können.